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Selbstverantwortung

Wie ich zur Selbstverantwortung gekommen bin

Seit meinem 17. Lebensjahr hat sich in mein Leben eine neue Stimme eingeschlichen. Ich bekam die Diagnose Colitis Ulcerosa - eine chronisch entzündliche (Dick-)Darmerkrankung mit der ich fortan zu leben hatte. Ich nahm brav die immer stärker werdenden Medikamente, die mir meine Ärzte verschrieben hatten und kämpfte mich durch kräftezehrende Schubphasen und Begleiterkrankungen. Das ging so lange „gut“ bis meine Medikamentenreise zu Ende ging und ich steroid-abhängig wurde. Das war 2015/2016.

Warum?

Diese Frage habe ich mir sehr oft im Laufe meiner Erkrankung gestellt. In all den Jahren vor meiner OP, habe ich immer die Opferrolle eingenommen. Habe mich der Krankheit hingegeben, manchmal sogar ignoriert und mich mit dem negativen Gedankenkarussell aus "Wieso, Weshalb und Warum-Fragen" herunterziehen lassen. Ich drehte mich im Kreis, akzeptierte meinen Status Quo und gab die Verantwortung für meine Gesundheit an Ärzte und Pharmaindustrie ab.

 

Als ich 2015 jedoch merkte, dass mein Körper auf die Medikamente nicht mehr ansprach und ich langsam aber sicher den Boden unter den Füßen zu verlieren begann, änderte sich plötzlich etwas in meinem Kopf. Ich verstand, dass ich mich ein Jahrzehnt von der Schulmedizin abhängig gemacht hatte, ohne die Vorgehensweise zu hinterfragen und auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, was ich denn selbst dafür tun kann, um wieder gesund zu werden.

 

Wie oder Was?

Ich fing also an, aus der passiven Haltung heraus zukommen und setzte mich endlich AKTIV mit mir, meinem Körper, meinem Darm und meiner Colitis Ulcerosa auseinander. Ich fing an nach dem WIE oder WAS zu fragen und verabschiedete mich von dem WARUM? Ich stellte mir u.a. folgende Fragen:

  • WAS will mir mein Körper mit der Krankheit sagen?
  • WIE muss ich leben, damit ich nicht ständig krank werde?
  • WAS braucht mein Körper, um widerstandsfähiger zu sein?
  • WIE muss ich DENKEN, damit es mir gut geht?
  • WAS kann ich trotz meiner Erkrankung tun, das mir Freude bereitet?
  • WIE kann ich Gesundheit und Arbeit miteinander vereinbaren? 

Diese (und weitere) Fragen haben dazu geführt, dass ich Antworten bekam. Ich begann nach vorne zu schauen, den Fokus zu verändern und Hoffnung zu erhalten. So habe ich innerhalb einen Jahres sehr viele unterschiedliche Wege ausprobiert und unglaublich viel dazu gelernt. Auch wenn ich am Ende nicht aus eigener Kraft gesund werden konnte, so bin ich fest davon überzeugt, dass diese Phase den Grundstein für meine jahrelange Entzündungsfreiheit mit J-Pouch gelegt hat. 

 

Wenn ich dir also einen Tipp mit auf dem Weg geben kann, dann der, dass du dir die richtigen Fragen stellen solltest, um das negative Gedankenkarussell zu stoppen. Dadurch allein wirst du nicht wieder gesund, aber es wird dir helfen, deinen Fokus nach vorne zu verschieben. Es wird dir helfen aus dem Mangel heraus in die Fülle zu kommen. Es wird dich aus der Opferrolle herausziehen und dir neue Wege bzw. Möglichkeiten aufzeigen, um dein Leben mit deiner CED ein kleines Stückchen besser zu machen. 

Was ich durch die richtigen Fragen verstanden habe

Ich habe verstanden, das mein Körper mir Signale schickt, wenn es zu viel wird.

 

Ich habe verstanden, dass ich meinen Körper pflegen muss.

 

Ich habe verstanden, dass meine Gedanken und das Wohlbefinden meines Körpers bzw. meiner Verdauung eng miteinander verwoben sind.

 

Ich habe verstanden, dass mein Körper Nährstoffe braucht um zu funktionieren.

 

Ich habe verstanden, dass ich auch körperlich an mir arbeiten muss, um mich rundum fit und vital zu fühlen. Das fängt bei der Muskulatur in Armen und Beinen an und hört bei den Füßen auf.

 

Ich habe verstanden, dass ich mich der Natur annähern muss, um mit Körper und Geist im Einklang zu sein.

 

Ich habe verstanden, dass ich nicht Vollzeit in einem Büro am Schreibtisch arbeiten und gleichzeitig gesund sein kann.

 

Ich habe verstanden, dass ich ein soziales Wesen bin, welches Zugehörigkeit, körperliche Nähe und Liebe braucht.

 

Ich habe verstanden, dass ich mein Stresslevel kennenlernen, verstehen und positiv beeinflussen muss, um langfristig gesund zu bleiben.

 

Ich habe verstanden, dass es im Leben um mehr geht, als um Besitz, Konsum und Erfolg.

 

Ich habe verstanden, dass es die kleinen Dinge sind, die mich glücklich machen.

 

Ich habe verstanden, dass ich manchmal aus meiner Komfortzone treten muss, um mich weiterzuentwickeln und somit ein Gefühl von Lebendigkeit zu spüren.

 

Ich habe verstanden, dass weniger manchmal mehr ist.

 

Ich habe gelernt, dass mein Körper nicht so viel verzeihen kann, wie bei gesunden Menschen. Ich habe meine eigenen Grenzen.

 

Ich habe verstanden, dass ich öfter kritisch hinterfragen und nicht alles glauben sollte, was Gesellschaft / Politik / Industrie uns vorgibt, richtig zu sein.

 

Ich habe verstanden, Selbstverantwortung für mich – meinen Körper sowie meinen Geist – zu übernehmen.

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